beach houseInterview mit alex scally und victoria legrand (05.12.2009)

alex scally und victoria legrand machen es sich einmal mehr in ihrem beach house gemütlich. nach der letzten musischen welle,"devotion", ist es nun an der zeit, dass sich das duo aus baltimore dem "teen dream" näher widmet. mit ihrem nunmehr dritten album sind sie zwar längst aus dem musikalischen teenie-alter raus, aber klingen dennoch so jung und innovativ, dass man sich keine sorgen um eine vielleicht in die jahre gekommene kreativität machen muss. im februar werden die neuen songs das getraute heim am strand verlassen , sich der öffentlichkeit zeigen und zusammen mit alex und victoria durch die welt ziehen. bevor das aber geschieht, hat die band einen kurzen stopp in berlin eingelegt, um die neugierde und vorfreude mit ein paar interessanten details zu verkürzen.


hallo!
victoria: hallo! oh, was ist das für ein aufnahmegerät? ich finde es interessant, dass jeder mit einem anderen hereinspaziert.
alex: ja, ich wünschte, wir hätten von jedem ein foto gemacht. wir hätten sie hinterher bloggen können.

das ist gar keine schlechte idee. es gibt immer ein nächstes mal!
alex: das stimmt.

mitte februar wird euer neues album "teen dream" herauskommen. wie schnell habt ihr den drang verspürt nach der letzten platte "devotion" und der tour dafür wieder ins studio zu gehen?
victoria: ich glaube so ungefähr nachdem die hälfte der tour vorbei war, haben wir uns mit dem gedanken befasst wieder ins studio zu gehen und uns inspirieren zu lassen. wenn man auf tour ist, wiederholt sich alles um dich herum immer wieder. wir sind bemüht so kreativ zu sein wie es nur geht und das viele touren kann dazu führen, dass man sich sorgen macht etwas von dieser kreativität einbüßen zu müssen. das passiert sehr schnell bei uns.
alex: ich denke, dass das touren sehr gut dafür geeignet ist, damit du dich hinterher wieder dem schreiben zuwenden kannst. es bereitet dich gut darauf vor, denn wenn du hunderte von shows gespielt hast, willst du am ende der tour nichts mehr, als neue musik zu schreiben. du willst einfach etwas neues und bist erst einmal fertig mit den alten sachen. das ist eine zwanghafte reaktion, die sich dann abspielt. du kannst nichts dagegen tun.

ihr sammelt also während der tour schon neue ideen für songs, aber verfolgt diese erst genauer, wenn ihr nicht mehr unterwegs seid?
alex: man versucht hier und da zu schreiben und skizziert songs, aber stellt sie nie vollständig fertig. das passiert erst im nachhinein. das ist wie mit dem esel, der herumläuft und auf dem kopf eine karotte vor sich hängen hat. sie ist in sichtweite, aber er kann noch nicht zuschnappen (lachen).

ich kann mir vorstellen, dass ihr nach dem jetzigen, dritten album sehr gut aufeinander eingespielt seid, was die zusammenarbeit angeht...
victoria: ich hasse ihn! (lacht)

ich dachte da eher an die musikalische zusammenarbeit...
victoria: oh...(lacht)

wird es nach all der zeit einfacher miteinander zu kommunizieren?
victoria: wir arbeiten zusammen, wir reisen ständig miteinander...
alex: ich weiß genau, was du jetzt gerade denkst!
victoria: das weißt du nicht.
alex: doch. du denkst gerade, ich mag keine...
victoria: falsch! ich habe an pizza gedacht (beide lachen).

wie ich sehe, stimmt die kommunikation noch nicht so ganz, aber ist sie vielleicht beim songwriting einfacher geworden?
victoria: ja, das ist sie. interessante dinge im leben sind aber nie einfach. trotzdem haben wir jetzt mehr ein gespür dafür bekommen, ob der jeweils andere auf der selben wellenlänge schwimmt oder eher nicht. wir beide wissen irgendwann genau, was der andere will und können so gut entscheidungen treffen.
alex: wir sind ganz sicher mit der zeit besser darin geworden künstlerisch miteinander zu arbeiten. wir haben aber auch festgestellt, dass wir im laufe der zeit mehr von uns selbst verlangen, was das schreiben angeht. dadurch ist es zum teil schwieriger für uns geworden songs zu schreiben auf die wir richtig stolz sind. einfach, weil wir viel mehr von uns erwarten, was das angeht. im allgemeinen ist unsere kommunikation schon fast übernatürlich gut.

denkt ihr, dass euch als duo mehr musikalischer freiraum für perfektion bleibt, gerade weil ihr praktisch so eng miteinander arbeitet?
victoria: ja, das kann man so sagen. wenn nur zwei leute in der band sind, ist es natürlich viel einfacher deine ideen aus dir heraus zu lassen und auszuprobieren, denn du musst nicht gegen noch mehr leute und ihre ansichten ankämpfen wie zum beispiel in einer fünfköpfigen band.
alex: weniger persönlichkeiten im umfeld können schon einen unterschied ausmachen. was den perfektionismus angeht, gibt es da für mich ein bestimmtes gefühl, dem ich folge. ob das nun eine richtige oder falsche denkweise von mir ist, weiß ich nicht, aber ich neige dazu zu glauben, dass es für alles einen richtigen platz innerhalb eines songs gibt. wenn ich zum beispiel radio höre, dann kommt es vor, dass ich denke, oh warum haben sie dieses oder jenes gemacht, weil es einfach nicht richtig klingt. ich finde, dass es in der musik ein "richtig" und ein "falsch" gibt. zum beispiel, wenn es darum geht bestimmte instrumente miteinander zu kombinieren. manchmal erdrückt das eine das andere und ruiniert alles. ich glaube, ich bin etwas besessen, was das angeht. das sind wir wohl beide, oder?
victoria: ja, da stimme ich dir zu. wir denken da sehr ähnlich.
alex: wir schreiben bis zu einem gewissen punkt und dann ist der song fertig.

woran merkt ihr, dass ihr einem song nichts mehr hinzufügen könnt und er nicht mehr verändert werden sollte?
alex: du weißt es (lacht).
victoria: alle einzelteile fühlen sich dann einfach richtig an und ergeben im gesamtbild einen sinn...
alex: wenn du nichts mehr hinzufügen oder wegnehmen willst, dann ist der song fertig.

konzentriert ihr euch eher immer auf einen song bis er fertig ist oder arbeitet ihr zeitgleich an mehreren stücken, damit ihr vielleicht auch einen freieren blick auf die dinge bekommt?
victoria: bevor wir ins studio gehen, haben wir es gerne, wenn alles rund um die struktur und das arrangement der songs fertig ist und sitzt. einfach aus dem grund, weil wir sonst womöglich im studio anfangen würden noch mehr an den songs zu verändern. so können wir das im vorfeld kontrollieren. für uns ist es besser alles vorher geklärt zu haben. das studio ist wie ein strudel voller unendlicher möglichkeiten, in dem man sich schnell verlieren kann. deshalb sind wir uns meistens vorher im klaren darüber, was genau wir wollen, wenn wir diesen ort betreten. ich würde sagen, dass wir ungefähr zu 90%, nein eher 95% oder vielleicht sogar mehr, wissen, wie die songs am ende aussehen sollen.
alex: absolut!
victoria: ich habe jetzt aus der sicht der aufnahmen gesprochen. was das schreiben selbst angeht, legen wir unseren fokus nicht auf einen bestimmten song, sondern arbeiten gerne an verschiedenen liedern gleichzeitig.
alex: es ist schon so, dass wir uns dabei etwas mehr auf vielleicht zwei, drei songs konzentrieren und diese fertig stellen, aber nebenbei trotzdem auch an anderen stücken arbeiten. wir behalten gerne den überblick, daher würden wir uns nicht hinsetzen und an sechs songs pro monat herumbasteln. das wäre zu viel und vor allem zu erdrückend. zwei songs reichen da vollkommen aus.
victoria: das hat eine praktische seite. wenn man an einem lied zu lange arbeitet, kannst du dir einfach das nächste vornehmen. das ist, als ob man zwei freundinnen oder freunde gleichzeitig hat...das war ein witz! natürlich ist das nicht so.

so ein neues album ist sowohl für euch als künstler, als auch für den hörer, jedes mal eine neue reise. wo hat euch "teen dream" denn musikalisch und persönlich gesehen hingebracht?

(kurzzeitige stille)

alex: nach unten, noch tiefer nach unten, ab in die hölle und wieder zurück (beide lachen). nein, das war nur spaß!
victoria: es war eine sehr intensive erfahrung.
alex: ja, es war wie in einem strudel, der all unsere leidenschaft und unser feuer verschluckt hat. wir haben ihn sozusagen mit allem, was wir hatten, gefüttert. tonnenweise. und er hat uns all das wieder zurück gegeben. wie eine art boomerang.
victoria: du musst bezahlen, wenn du mitspielen willst! (beide lachen)

eure musik strahlt oftmals etwas verträumtes oder sogar beruhigendes aus. ist der entstehungsprozess auch von so viel behaglichkeit und leichtigkeit geprägt?
victoria: es ist eigentlich nie wirklich leicht, um das mal wörtlich zu nehmen. die dinge entwickeln sich zunächst meistens nicht so gelassen, sondern geschehen mit einer großen intensität, schnelligkeit und natürlichkeit, die oft im ersten moment mühelos wirkt. die schwierigkeit und mühe besteht darin, dass du dieses etwas vor dir später so formen musst, dass du sein volles potenzial aus ihm herauskitzeln kannst. es ist so, dass der anfang meistens nicht so schwer ist, aber alles was darauf folgt, muss mit einer gewissen hürde verbunden sein, damit es gut wird. es muss einfach etwas gezogen und gedrückt werden, um das gewünschte ergebnis zu erreichen. mit was könnte man das vergleichen? (pause) vielleicht mit dem schreiben von songtexten. du bringst etwas auf's papier, aber fängst erst dann an dinge zu streichen und zu simplifizieren. beantwortet das ungefähr deine frage?

absolut. ist der vorgang des simplifizierens der komplizierteste teil an der geschichte?
victoria: oh ich liebe diesen teil. es macht mir sogar richtig spaß! wenn das schreiben selbst so einfach von der hand geht und man dann die möglichkeit hat dinge wieder rauszuschmeissen, die dir nicht passen. mir gefällt diese arbeit, weil man damit noch mehr klarheit gewinnt über das, was du wirklich haben willst. du kannst dir vor beginn des schreibens gar nicht ausmalen, wohin du dich bewegen wirst und dann hast du auf einmal eine bestimmte richtung, die du einschlägst.
alex: normalerweise fangen wir an mit einer sehr intensiven idee im kopf zu schreiben. es ist aber nichts fertiges. vielleicht ein paar worte oder ein winziges stück melodie. dann fangen wir an dieses kleine teil natürlich zu etwas größerem wachsen zu lassen und gucken, wo es uns hinführen wird.

obwohl selbst eure neuen songs in gewisser weise vertraut scheinen, nehmen sie dennoch unerwartete wendungen. wie wichtig ist euch bei eurer arbeit ein gewisser überraschungsmoment?
alex: ich glaube schon, dass wir das verlangen haben innovativ zu sein und klänge zu erzeugen, die nicht unbedingt anderen songs da draussen ähnlich sind. wir haben kein verlangen danach bands nachzuahmen, die bereits bestehen. ich hoffe, dass man das hören kann. wir wollen schließlich musik machen, die uns als künstler ausmacht und originell ist. deswegen ist es uns auch wichtig überraschende momente in der musik zu haben und stellen, die etwas fremdartig erscheinen. wir sind so von bestimmten formen des songwritings, traditionen und der art der melodieführung eingenommen, dass wir natürlich irgendwo diese ebene haben, die unsere musik vertraut erscheinen lässt. wir hoffen aber, dass die textur und die struktur selbst innovativ genug sind.
victoria: ich finde, es ist wichtig sich den dingen um sich herum nicht zu verschließen. ich war eine zeit lang so, dass ich am liebsten nichts anderes gehört habe, aber das ist meiner meinung nach keine so gute idee. um frische und gute ideen aus dir herauszuholen, solltest du dich nach aussen öffnen können und dein gehirn mit viel stoff füllen.
alex: man sollte sich letztendlich selbst treu bleiben und ehrlich sein. ich habe manchmal den eindruck, dass andere bands nicht gerne zugeben, wenn sie musik anderer künstler gut finden. wenn du musik magst, dann solltest du auch dazu stehen und dich nicht verstecken. vor ein paar jahren als vampire weekend auf der bildfläche erschienen, gab es viele leute, die nicht zugeben wollten, dass sie die band gut fanden, nur weil das interesse plötzlich so groß war. das ist doch unsinn! du kannst doch sachen gut finden egal, ob es gerade einen hype darum gibt oder nicht. da ist doch nichts schlimmes dabei. aber wie bereits gesagt, ehrlichkeit ist für mich das wichtigste. wenn man ehrlich weiß, was man schreiben will, dann sollte man auch ehrlich sein mit dem, was man hört. die leute sollten aufhören andauernd solche spielchen mit sich zu spielen...
victoria: es ist doch nur popmusik! (beide lachen)

"teen dream" wurde in einer zum studio umgebauten kirche aufgenommen, was den songs recht gut steht, was die atmosphäre angeht. dennoch wirkt die kirche als aufnahmeort zunächst doch eher ungewöhnlich oder?
alex: es war wirklich ein ganz normales studio mit all dem hochqualitativen, technischen voraussetzungen, die man so braucht. es stimmt aber, dass der hauptaufnahmeraum früher zu einer kirche gehörte, die mittlerweile aber nicht mehr existiert und zu einem studio umgebaut wurde. in dieser hinsicht war es also gar nicht ungewöhnlich dort aufzunehmen, weil es eben nicht diesen flair einer richtigen kirche hatte.
victoria: ich wäre etwas überrascht, wenn die leute die songs sofort mit etwas kirchlichem assoziieren würden. für uns war es in allererster linie einfach ein ort, an dem wir aufgenommen haben. die songs sind in keinster weise von säkulärer zurückhaltung oder ähnlichem geprägt, sondern gehen darüber hinaus. die neuen lieder sind eigentlich das genaue gegenteil davon. zumindest textlich handeln sie vielmehr von freiheit und der tatsache, dass man seiner vorstellungskraft einfach freien lauf lassen sollte. die kirche ist einfach...
alex: ...ein schönes aufnahmestudio gewesen! (beide lachen)
victoria: mit guter atmosphäre! es gab dort keinerlei komische oder unheimliche momente, wie es in kirchen manchmal der fall sein kann.
alex: es war auch eigentlich mehr eine scheune, als eine wirkliche kirche.

als unwissender hätte man also keine hinweise mehr auf eine frühere kirchliche nutzung entdecken können?
victoria: nein. die fenster sind noch dieselben wie damals, aber nirgendwo in den räumlichkeiten sind heute noch kirchliche überreste erhalten, wie malereien oder statuen.
alex: alle sitzbänke sind entfernt worden und es stehen jetzt überall instrumente herum. es ist einfach ein wunderschöner raum mit viel holz, in dem du in die hände klatschen kannst und es hört sich unglaublich gut an.

wie seid ihr denn auf diese räumlichkeiten gestoßen? ihr habt diesen ort wahrscheinlich nicht zufällig gewählt oder?
alex: nein, wir haben uns schon bewusst dafür entschieden. da hat auch die tatsache mit hineingespielt, dass das so ziemlich der beste deal war, den wir für unsere vorstellungen bekommen konnten. ausserdem lag das studio in der nähe und wir konnten somit unsere orgeln und das restliche equipment einfach dorthin transportieren. es war wirklich die optimalste lösung für uns. wir hätten auch eine alte fabrik gewählt, wenn das besser für uns gewesen wäre. es war nicht so, dass wir unbedingt in einer umgebauten kirche aufnehmen wollten, weil dort alles so geheimnisvoll ist oder wir diese geistliche erfahrung brauchten.

was habt ihr euch denn von eurer wahl erhofft, was wollte ihr dort finden?
victoria: wir haben uns vor allem noch mehr isolation und ruhe erhofft, damit wir uns auf unsere musik konzentrieren können. wir wollten aus baltimore heraus, der hitze entkommen und etwas nördlich fahren...
alex: wir wollten unbedingt an einen ort fahren, der uns vor allzu viel ablenkung schützen sollte, so dass wir gewissenhaft arbeiten können.
victoria: genau. einen ort, an dem wir die musik musik sein lassen können und keinen druck von ausserhalb verspüren...jedenfalls nicht mehr druck, als den, den wir uns selbst auferlegen. (lacht) du brauchst als künstler einen ort, an dem du deine ideen laufen lassen kannst. das geht auf tour eher schlecht. du kannst nicht im bad stehen und in fünf minuten etwas zimmern...(alex lacht). dieses album hat diesen raum auf jeden fall gebraucht. ich weiß nicht, ob das beim nächsten mal auch unbedingt so sein muss, aber jetzt war es richtig so. jede platte ist da anders.
alex: es hat auch nicht zwangsläufig so, dass sich die atmosphäre der songs im aufnahmeort widerspiegeln muss. kennst du den B52's song "love shack"? der wurde zum beispiel in der selben alten kirche aufgenommen. für mich persönlich kann die umgebung völlig unterschiedlich von dem sein, was du letztendlich aufnimmst.
victoria: am ende zählt sowieso nur die musik. wo du sie aufgenommen hast, ist nicht so wichtig.
alex: manche künstler wollen unbedingt, dass sich mehr dahinter verbirgt, aber das ist nicht so.
victoria: jetzt ist die illusion weg. toll. (beide lachen)

die vielen verschiedenen schichten in euren songs tragen dazu bei, dass ein gefühl von wärme erzeugt wird, was sicherlich auch dazu beiträgt, dass leute sich von eurer musik berührt fühlen. was berührt euch denn selbst, wenn ihr an musik denkt?
victoria: ich bin schon immer am meisten von der melodie eingenommen worden und die struktur, die sie dem song gibt. wenn die richtige stimme dazu kommt, ist es perfekt. ich muss gar nicht wissen, was für instrumente alles verwendet wurden etc.
alex: ich liebe stimmen. zusammen mit einer guten melodie ist eigentlich alles vorhanden, was man braucht. arrangements sind auch sehr wichtig. ich weiß es sehr zu schätzen, wenn die arrangements stimmen und ein song einfach gut komponiert ist, was das fachliche angeht. vieles davon ist so subtil, dass man heutzutage gar nicht mehr richtig darüber nachdenkt oder es überhaupt wahrnimmt, wie zum beispiel überleitungen oder verzierungen usw. all das, was wirklich großartig sein kann und viel in den 50ern und 60ern gemacht wurde. das ist mittlerweile fast verschwunden, weil die leute darüber hinwegsehen und sowas machen

(fängt an luftgitarre zu spielen und einen akkord immer und immer wieder zu summen)

victoria: heute braucht man doch nur noch einen einzelnen aufhänger und damit hat es sich!
alex: du musst schon sehr gut sein, wenn du aus drei akkorden etwas wirklich gutes machen willst. vieles ist einfach nur langweilig. du hast das standard line up von gitarre, drums und bass und dadurch klingt vieles ähnlich, weil nichts daraus gemacht wird.
victoria: mir fällt gerade beyoncés "halo" ein. den song mochte ich am anfang überhaupt nicht. jetzt gefällt er mir komischerweise. so ist das manchmal! (lacht)

um noch einmal auf das thema kirche zu sprechen zu kommen, ihr habt zwar keine verbindung zwischen eurer musik und dieser institution hergestellt, als ihr dort aufgenommen habt, aber könntet ihr euch vorstellen konzerte in so umgebung zu geben?

alex: ich glaube, das wäre nicht unbedingt eine wahl, die wir treffen würden, wenn es nicht sein muss. wir haben schon öfters in kirchen gespielt, aber mir wäre es lieber, wenn die leute sich nicht durch die atmosphäre in so einem haus einschüchtern lassen würden. du schlägst einen ton an und alle um dich herum sind still, wer er unweigerlich größer klingt, als er eigentlich ist. die stimmung ist einfach zu angespannt und ehrfürchtig. niemand traut sich etwas aus sich herauszugehen, selbst wenn die musik dazu einladen würde. einfach aus scheu. dabei sollten sie sich bewegen, wenn es nach mir gehen würde!
victoria: die menschen sollten sich frei fühlen bei konzerten zu tun, was sie mögen. ob sie nun zuhören wollen oder sich lieber etwas zu trinken an der bar holen. das ist ihnen überlassen. in kirchen sind die hemmungen einfach zu groß sich normal zu verhalten. die leute würden niemals ihre wahre emotionale verfassung offenbaren und sitzen lieber steif da. ich habe aber auch schon konzerte in kirchen erlebt, wo das publikum über seinen schatten gesprungen ist und sogar auf den bänken getanzt hat. aber normalerweise ist es natürlich schon der fall, dass es eher verhalten zugeht.
alex: wow. aber wir werden niemals das publikum dazu bringen, dass es auf den stühlen tanzt und ausflippt...dafür ist unsere musik wohl nicht richtig geeignet.
victoria: ach, warum sagst du das? niemals ist ein großes wort. (beide lachen)

für jeden song auf "teen dream" gibt es zusätzlich noch ein extra video als visuelle untermalung. was hat euch denn zu diesem schritt bewogen?
victoria: zuallererst dachten wir einfach, dass es eine idee wäre, die spaß machen könnte, wenn man sie umsetzt. danach haben wir uns zehn verschiedene leute gesucht, die dafür in frage kommen würde, was uns zum glück gar nicht schwer gefallen ist, weil wir in baltimore viele freunde haben, die die idee gut fanden. wir wollten eben nicht diese typischen musikvideos haben, sondern videos, die aus neugier heraus gemacht wurden. ausserdem war es uns wichtig, dass aussenstehende ihre ganz eigenen interpretationen von unserer musik haben.
alex: die idee war, dass wir den hörern unserer musik so eine art visuelle bibliothek mit auf den weg geben. eine dvd mit all den tollen künstlern aus baltimore, die sich die mühe gemacht haben videos zu machen und die der hörer dadurch kennenlernen kann. das ist wie ein baum, der in alle richtungen seine zweige streckt. das ist wie bei deinen freunden, wenn sie dir ihre ansichten und interpretationen der dinge mitteilen. die nimmst du dann in dir auf und gibt's sie eventuell weiter. so ähnlich soll sich das auch mit unserer musik und den dazugehörigen videos verhalten. victoria und ich hatten schon immer diesen draht zur visualität unserer musik. wir träumen auch noch davon einmal soundtracks zu machen. vielleicht sind die jetzigen videos schon mal ein kleiner schritt in diese richtung.
victoria: die tatsache, dass wir den künstlern unsere musik in die hand gedrückt haben und sie totale kreative freiheit hatten, was die videos angeht, war schon etwas eigenartig für uns. aber letztendlich haben wir ihnen ja vertraut und das hat sich ausgezahlt.
alex: es war aber auch schön die songs loszulassen und zu sehen, was andere menschen in sie hinein interpretieren, wenn du die songs so lange zeit mit dir herumträgst.

was habt ihr euch denn für das nächste jahr so alles vorgenommen, mal von den schrecklichen vorsätzen abgesehen, die man nie einhält?
victoria: spaß! auf tour gehen! süßigkeiten bekommen...und essen!
alex: ein neues album schreiben...
victoria: vielleicht mal eine sekunde lang irgendwo ab in die sonne verschwinden und mich etwas bräunen.

(beide lachen laut)

alex: mein ziel ist es irgendwo hinzufahren, wo ich spaß haben kann. dann werde ich natürlich keinen spaß haben und feststellen, dass ich niemals spaß haben werde...und dann schreibe ich ein neues album!

(alle lachen)

victoria: wooow. ich glaube, ich bleibe einfach beim sonnenbad. (lacht)

dann wünsche ich euch, dass ihr das alles unter einen hut bekommt und danke euch für eure zeit.
alex: dankeschön!
victoria: ich hoffe, wir waren wach genug und du kannst etwas mit unseren antworten anfangen.
alex: ja, das hoffe ich auch. es tut mir leid, dass wir so anti-kirchlich waren.
victoria: wir werden komischerweise davon verfolgt, dabei können wir gar nicht wirklich etwas dafür. diese ganze kirchensache ist auch ein teil davon. wir sind keine menschen mit einer "guten" oder "reinen" seele. naja, ich bin das zumindest nicht. alex ist einer von der guten sorte (alle lachen und alex stimmt eine hohe note an).
alex: wir haben nichts gegen die kirche an sich, aber wir sind eben darauf bedacht, dass unsere musik nicht allzu sehr damit in verbindung gebracht wird, weil beide dinge einfach nichts miteinander zu tun haben. nur deswegen waren wir in den fragen danach so bemüht das klarzustellen, weißt du?
victoria: das nächste album wird einfach purer techno. ganz einfach! (lacht)

 
 
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