mumford & sonsInterview mit marcus mumford und ben lovett (25.11.2009)

kaum haben sie ihr album "sigh no more" veröffentlicht, da spielen mumford & sons auch schon in ausverkauften häusern und vor erwartungsvollen gesichtern, wo auch immer sie auftauchen. was für einen nerv trifft das quartett aus london bloß, dass sich so viele menschen zu ihrer musik hingezogen fühlen und die anhängerschaft begeistert und im minutentakt wächst? das bleibt wohl ein geheimnis, aber es ist mit sicherheit der richtige. der magnet club in berlin hat das "ausverkauft" schild jedenfalls schon ins fenster gehängt und drinnen drängt sich das publikum eng aneinander während die band selbst noch nach erklärungen für den rummel um sich sucht. kurz vor beginn des konzerts haben zwei der herren, nämlich marcus mumford und ben lovett auf der couch platz genommen, um im gespräch mit rote raupe von ihren eindrücken und den momenten zu erzählen, die ihnen am herzen liegen.


wie geht es dir?
ben: oh mir geht's gut, aber ich bin ein bisschen schläfrig. ich war noch nicht einmal unten im konzertraum... es gab so viel zu tun. wir werden in 20 minuten auf der bühne stehen, dann werde ich alles sehen. das wird bestimmt etwas komisch.

(marcus gesellt sich dazu)

marcus: guten abend! (auf deutsch)

guten abend! in eurer band biographie wird gesagt, dass ihr zusammen gefunden habt, um musik zu machen, die von bedeutung ist. was ist das für ein gefühl für euch, nun da eure musik auch mehr und mehr eine rolle für viele leute da draussen spielt und ihr all diese menschen in eurem kreis begrüßt?
marcus: das fühlt sich sehr schön an!
ben: ja, es ist ein gutes gefühl, wenn es in der richtigen art und weise geschieht so wie das bei uns momentan der fall ist. manchmal fühlt es sich schon ein wenig eigenartig an, dass leute teil dieser sache werden, die wir so lieben, obwohl wir noch nicht einmal für sie gespielt oder sie getroffen haben. es gewinnt aber alles noch viel mehr an bedeutung, wenn du dann wirklich shows spielst und menschen triffst, die deine musik hören. erst dann hast du das gefühl, dass das, was du machst, wirklich wichtig ist.

spornt euch all diese unterstützung, die ihr von ausserhalb erfahrt, noch mehr an?
marcus: hmm, ich würde sagen, dass uns das in unserer arbeit auf jeden fall bestätigt. ich weiß nicht...es ermutigt uns sehr. ich kann nicht genau sagen, ob es uns wirklich mehr anspornt, denn wir würden vermutlich trotzdem genau das machen, was wir jetzt gerade tun bzw. in den letzten zwei jahren gemacht haben. wir haben uns als band nicht so viel verändert, weißt du? wir haben unsere allgemeine einstellung den dingen gegenüber nicht geändert, zum beispiel was konzerte angeht, obwohl wir natürlich realisiert haben, dass die shows immer größer werden. wir durchlaufen immer noch denselben prozess in vielerlei hinsicht. viele der songs, die wir spielen, sind noch dieselben, auch wenn immer mal wieder neue lieder dazukommen. ich denke wir sind, was die band angeht, besser geworden, aber ich weiß nicht, ob es daher kommt, dass wir uns noch mehr angespornt fühlen. wir sehen das alles hier als eine herausforderung an, der wir gerecht werden und an der wir wachsen wollen. trotzdem hat sich unsere mentalität dem gegenüber nicht geändert.

die kunst musik zu machen beinhaltet natürlich auch den aspekt, dass man persönliche ansichten und gefühle mit seinem publikum teilt. fällt es euch schwerer eure gefühle auszudrücken, wenn ihr die eigentlichen songs schreibt oder im nachhinein, wenn ihr sie vor vielen fremden gesichtern wiedergebt?
marcus: das ist eine sehr gute frage. es ist eine komische situation, denn du schreibst in einem sehr privaten moment einen song und da bist nur du, deine gitarre und vielleicht ein stück papier, auf dem du alles festhälst. du bist in diesem moment sehr ehrlich, weil du weißt, dass nur du da bist und niemand anderes. ich und die anderen jungs in der band schreiben immer noch auf diese weise songs. eben in einer sehr abgeschiedenen art und weise, zu der nur wir zutritt haben. wenn du diese songs dann live spielst, wird all das zu einer sehr öffentlichen sache und du stellst dich plötzlich jeden abend vor leuten zur schau. ich denke, wir sind alle froh darüber ein wenig naiv zu sein, was die tatsache angeht, dass uns leute zusehen und zuhören, wenn wir musik machen. wir sind immer noch überrascht, wenn sich leute die zeit nehmen, um sich die texte anzuhören und sie sogar kommentieren. wir sind uns dieser aufmerksamkeit, was das angeht, manchmal noch nicht so bewusst.

vielleicht kommt irgendwann einmal der zeitpunkt, an dem das in unserem bewusstsein ankommt, wenn wir songs schreiben, aber ich bin der meinung, dass man versuchen sollte sich von der aussenwelt in dieser hinsicht abzuriegeln. wenn du das nicht tust, wird sich das mit sicherheit auf dein songwriting und deine kreativität innerhalb dieses prozesses auswirken. ich denke, dass ich die songs in allererster linie immer noch für mich selbst schreibe und als band gesehen schreiben wir ebenso erst einmal für uns. wir arbeiten hart daran uns keine gedanken darum zu machen, wie die musik dann später aufgenommen wird. ich hoffe, dass die menschen dort draussen das hören und sie merken, dass wir das, was wir ausdrücken, auch aufrichtig so meinen wie wir es sagen... unsere musik ist ehrlich, ohne sich jedoch allzu ernst zu nehmen. wir denken nicht, dass wir die beste band, die besten songschreiber oder die besten performer der welt sind, aber wir sind selbstbewusst, was unsere musik und all die dinge angeht, die uns wichtig sind. wir betrachten ehrlichkeit und die realität als sehr wichtige bestandteile unserer musik. es wäre sehr hart jeden abend auf die bühne zu gehen und vor leuten zu spielen, wenn das nicht der fall wäre. wir stecken eben unsere seele und unsere herzen in das, was wir machen.

in eurem song "winter winds" sprecht ihr davon, dass euer kopf eurem herzen sagt, was es tun soll, und umgedreht. worauf hört ihr persönlich denn mehr, euren kopf oder euer herz?
ben: ich versuche mich meistens von meinem herzen lenken zu lassen, aber der kopf springt manchmal dazu und mäßigt das ganze. ich denke, ich werde generell gesehen als erstes vom herzen regiert und dann schaltet sich am ende der kopf ein, um mir zu sagen, welchen weg ich folgen soll. das ist so eine kleine einschränkung bei der ganzen sache, aber im positiven sinne. "winter winds" und alle anderen songs kommen direkt von herzen und sind in ihrer jeweiligen aussage nicht konstruiert. wir sagen einfach nur das aus, was wir fühlen.

all eure songs sind vornehmlich auf tour entstanden bis auf das letzte lied "after the storm" auf eurem album "sigh no more", welches im studio entstanden ist. wie bewertet ihr die erfahrung, wenn ihr sie direkt miteinander vergleicht?
marcus: es war unterschiedlich...halt, wenn ich so darüber nachdenke, stimmt das gar nicht. es war nicht so anders als sonst, denn wir haben "after the storm" auf dieselbe art und weise geschrieben wie unsere anderen songs. wir waren zu dem zeitpunkt eben einfach im studio, als es passiert ist und mit den aufnahmen zum album beschäftigt. wir haben das lied nicht explizit für "sigh no more" geschrieben. es sollte zunächst gar nicht auf das album. wir haben einfach angefangen die melodie zu spielen und als der text fertig war, hat es auf einmal sinn gemacht das album kapitel abzuschließen. deshalb haben wir uns dazu entschlossen den song mit auf das album zu nehmen. es war nicht so, dass wir krampfhaft versucht haben den finalen song für das album zu zimmern. es ist einfach so passiert, wie mit all den anderen songs eben auch. es ist etwas positives aus dieser situation heraus entstanden, es hätte aber auch schiefgehen können. wir sind keine musiker, die auf knopfdruck und auf nachfrage lieder schreiben. so nach dem prinzip "kommt, lasst uns hinsetzen und heute nachmittag den song fertig machen...". darin sind wir gar nicht gut. es muss schon von selber kommen. alle unsere songs sind irgendwo persönliche reisen, die auf natürlichem weg entstehen. "after the storm" ist ziemlich schnell entstanden. kaum war der song geschrieben, war er auch schon auf dem album. die meisten unserer lieder brauchen viel länger, um aufzublühen. ich bin sehr froh, dass er mit auf's album gekommen ist. ich denke, wir alle finden, dass es ein passender abschluss ist.

(das interview wird unterbrochen, da die zeit davon rennt...)

marcus: sorry! nein, mach weiter...stell die letzte frage!

auf eurer website hat jeder von euch seine eigene, kleine ecke, die ihr mit ganz unterschiedlichen sparten füllt. es gibt "ted's photography", "marcus' book club" oder "ben's food on the road". ist das eine willkommene abwechslung von der routine, die sich eventuell auf tour bei euch einschleicht?
ben: die idee hinter all dem war, dass wir damit eine verbindung zu unseren fans herstellen konnten, die etwas wesentliches in sich hatte, einen wahren inhalt transportieren konnte. das internet ist voll von unsinnigem zeug und wir wollten mit diesen, wie du sagst, kleinen sparten ein wenig von unserer jeweiligen persöhnlichkeit miteinbringen und so mit den fans kommunizieren. das ist ein bisschen anti-twitter (lacht).

dankeschön, dass ihr euch zeit für das gespräch genommen habt.
marcus: entschuldige nochmal, dass wir uns verspätet haben. das tut uns sehr leid.
ben: ja, danke für deine geduld. das waren gute fragen!


foto: hella wittenberg

 
 
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