ROTE RAUPEputting the fan back in fanzine.
Viel zu sagen gibt es nicht über das Projekt Rote Raupe, denn diese Seite spricht eigentlich ziemlich für sich.
Dennoch kurz ausgeholt: es ist ein Online-Fanzine, das André Habermann aus München ins Leben gerufen hat und liebevoll am Laufen hält. André ist ein Typ, der geschätzte 20 Minuten pro Tag schläft; den Rest der Zeit betreibt er Internetseiten, geht arbeiten und danach auf Konzerte. Dementsprechend ist das Herzstück des 'Portals' eine im Sekundentakt anwachsende Sammlung von Konzertfotos, die zum Großteil sehr, sehr gut sind. Die Leser dieser Zeilen, die gelegentlich Zeit im Internet zubringen und mit Online-Fanzines vertraut sind und auch den Fotos, die von Journalisten auf solchen Websites veröffentlicht werden, wissen vermutlich, was gemeint ist. Das meiste davon ist lahmer und liebloser Mist, der mies aussieht und bei dem sich die (viel zu oft mit Blitzlicht) fotografierten Musiker fragen, ob sie wirklich so schlimm aussehen. Es wäre interessant zu wissen, wie die Rote Raupe-Fotografen es hinkriegen, aber nahezu jedes mal staunen die fotografierten Künstler: sehen wir wirklich so gut aus? Sah der Klub wirklich so mondän aus?
Rote Raupe beschränkt sich weder auf Themen und Bands, über die sowieso überall etwas zu finden ist, noch auf die Bands, die weit unterm Radar fliegen. Den meistern Besuchern von roteraupe.de wird es in der Tat so vorkommen als gäbe es absolut keine Band auf dieser Erde, die nicht in irgendeiner Form auf der Seite zu finden ist.
Online-Standards wie Rezensionen, Verlosungen, Terminkalender, Ausgehtips oder die fantastische Fotosammlung werden abgerundet von Sachen wie einer großen Palette von Musikvideos, dem 'Malbuch' (eine Art Poesiealbum, in das Musiker nach Konzerten noch etwas reinschmieren dürfen. Die eitlen Musiker machen ja grundsätzlich jeden Scheiß, weil sie die Beachtung lieben - aber manchmal kommen dabei wirklich spannende Sachen raus.) oder dem eigens erfundenen Online-Mixtape. Das Online-Mixtape darf als Bindeglied zwischen analog, digital und virtuell gesehen werden, als Schnittpunkt mehrerer Wirklichkeiten, als Tor zu einer neuen, äh, Zeit. Oder zumindest als Empfehlung von meistens unentdeckter & interessanter Musik.
In ihrer Anfangszeit hat sich die Rote Raupe noch auf das Bundesland Bayern beschränkt, dokumentiert mittlerweile allerdings ALLES, was in GANZ Deutschland vor sich geht. Dazu André salopp: "unseretwegen kann sich die CSU auf Bayern beschränken, in unseren Augen ist das Spießerkram und diese Raupe kennt ab heute keine Grenzen mehr." Dieses Zitat ist ebenso frei erfunden wie jegliche Verbindung von Rote Raupe und CSU.
Am schönsten an Rote Raupe ist aber eigentlich, daß sie im stetigen Wandel ist. Laufend wird etwas ergänzt, ausgebaut, verbessert und erweitert. Und das alles mal eben so nach Feierabend mit einer handvoll Helfern. Man sollte ein Loblied aufs Ehrenamt singen.
Eines, in dem es nicht nach etwas klingt, was Reinhard Mey an jungen Leuten 'einfach toll' findet, sondern eines, bei dem klar wird, das man nicht nur Begeisterung und Leidenschaft ausdrücken kann, indem man eine Band gründet, ein Bild malt, ein Buch schreibt oder so etwas. Rote Raupe besteht mindestens genauso sehr aus Hingabe, Leidenschaft, Selbstausbeutung und Feuer wie die meiste Musik, die hier in Wort, Bild, Ton zu finden ist.
Rote Raupe ist KEINE Anspielung auf das männliche Glied.
Björn Sonnenberg (locas in love) im September 2006




















