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anajo22.03.2007 // essen - grend

Um ins Essener Grend zu gelangen, muss man zunächst an einer spanischen Tapas-Bar vorbei, was die Sehnsucht nach Sommer und Meer nur schürrt. Und hungrig macht. Das Grend, im oberen Stockwerk, hat einen Jugendheimcharakter, ein bisschen heimelig, ein bisschen stümperhaft, aber irgendwie schön!

Bevor Anajo ihren Esprit versprühen, gibt eine der wohl verrücktesten und gleichzeitig liebenswertesten Bands deutschlands ein kleines Set aus ungewöhnlichen Tönen, Stimmen und Texten zum Besten. Katze, heisst sie, und verblüfft nicht nur mit einer liebevoll geschriebenen Setlist, sondern einfach durch die Innovationen Minki Warhols mit - wie es auf der Band web-site beschrieben wird - 99 Cent Instrumenten und dem auf einem Bügelbrett stehenden Keyboard, und mit Klaus quitschiger Stimme, man kann kaum glauben, dass er ernsthaft so viele Zigaretten raucht, wie er es in seinen Liedern besingt. Eine sehr gut Einstimmung zu Anajo, charakterlich anders, aber beschwinglich, glücklich machend.

Nach einer kleinen Umbaupause wird es dunkel im Saal und die Titelmelodie des A-Teams erklingt, Errinerungen aus Kindertagen werden geweckt. Die schwere Türe neben der Bühne schwingt auf und Olli (Gesang/Gitarre), Ingolf (Schlagzeug) und Michi (Bass/Keyboard) hoppsen auf die Bühne.
Das Konzert beginnt mit "Wer kennt hier eigentlich wen?" folgt danach aber nicht der aktuellen Platte, sondern überzeugt mit einer Mischung aus neuen und alten Liedern, aus Klassikern und bisher fast Überhörtem.
Die Jungs haben gute Laune, das fällt sofort auf, fühlen sich wohl, variiren die Texte. Olli´s Augsburger Akzent ist deutlicher zu erkennen als ich es bisher erlebt habe, das rollende R, das zischende s.
Nachdem "Die Sonne über Haunstetten" angestimmt wird werden Michi´s Fähigkeiten als Entertainer gefordert, denn man möchte ja, dass die Sonne auch über Essen aufgeht. Während des Konzertes lächelt der Bassist vermitzt und ein wenig schüchtern, das Fotografieren schmeichelt ihm, das Notizen machen auch. Das Publikum animieren ist ihm unangenehm, hasenherzig versucht er die Prozedur so schnell als nur möglich hinter sich zu bringen. Beirren lässt sich das Publikum davon aber nicht, schmeisst die Hände in die Höhe und wiegt sie im Takt der Musik.

Schön ist es auch, bei "Wenn du nur wüsstest" eine Gastsängerin zu haben. In Köln war es passenderweise Suzie von Klee, in Essen ist es Klaus von Katze! Mit dem Blatt, auf welchem in Grundschullehrerschrift sein zu singeder Text steht springt er auf die Bühne rekelt sich und hüpft herum, singt zwischendurch und amüsiert das Publikum. Als er wieder von der Bühne kommt fragt er mich: " Ich hab da einen nassen Fleck vom Olli hinterm Ohr, möchtest du den haben?" Und hält mir sein Ohr hin.

Anajo bezaubern. Bei jedem Konzert erreiche ich den Punkt an dem ich kurzeitig ein paar dicke Tränen im Auge habe, einfach weil es so schön, so emotional ist. Intim und innig, Musik und Atmosphäre fürs Herz.

Essen war sicher nicht das schönste, sicher nicht das beste Anajo-Konzert.

Gänsehaut und ein Gefühl des Glück breitete sich trotzdem in mir aus.

weitere infos: www.anajo.de

tamara
 

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